Wie in anderen westlichen Demokratien konnte in den vergangenen beiden Jahrzehnten auch in Deutschland eine Verschärfung ideologischer Gräben zwischen einzelnen Teilen der Bürgerschaft sowie der Aufstieg eliten- und systemkritischer Ressentiments beobachtet werden. Vor dem Hintergrund wechselnder Diagnosen von Arbeitsmarkt-, Finanz-, Wirtschafts-, Flüchtlings-, Klima- und Coronakrisen wurden Dynamiken der Empörung freigesetzt, auf unterschiedliche Wertvorstellungen, Weltanschauungen und Interessenlagen zurückgeführt und mit einer zunehmenden Spaltung der Gesellschaft in Verbindung gebracht. Insbesondere Ostdeutschland trat dabei als Epizentrum emotionalisierten Bürgerprotests, rechtspopulistischer Wahlerfolge und der Entstehung extremistischen Gruppierungen in Erscheinung. Nicht zuletzt die Spätfolgen der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Transformation scheinen hier das Vertrauen in die politischen, gesellschaftlichen und medialen Eliten nachhaltig gestört zu haben – wie sich zuletzt auch an den, vor allem im Osten Deutschlands verbreiteten Vorbehalten gegenüber den Corona-Maßnahmen zeigte.
Poslední úprava: Zelená Alena, PhDr. Mgr., Ph.D. (07.09.2022)